Vogtlandtagung 2012 im NUZ Oberlauterbach

In Oberlauterbach fand im Natur- und Umweltzentrum des Vogtlandkreises vom 28.09. bis 30.09.2012 die erste Arbeitstagung unserer „Vogtländischen Arbeitsgemeinschaft Mykologie“ e. V. statt. Die seit 1965 intensiv betriebene pilzfloristische Arbeit im Vogtland wurde damit im Rahmen eines Vereins fortgesetzt. Das modern ausgestattete Natur- und Umweltzentrum (NUZ) bot ideale Bedingungen für Unterbringung, Versorgung und Durchführung der Tagung. Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer am ersten Abend bestätigte Frau Hohl, die Leiterin des NUZ, in einem interessanten Vortrag das Vorkommen der Wildkatze nun auch im Vogtland. Dabei kamen unweigerlich auch viele Probleme in Wald und Flur zur Sprache, die Mykologen nicht fremd sind.

Die Exkursion am Sonnabend führte in ein relativ großes zusammenhängendes Waldgebiet, den Herlasgrüner Forst, der aufgrund der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Limbach-Thoßfeller-Verwerfung geologisch sehr interessant ist. Während die westliche Seite vom oberdevonischen Vulkanismus mit seinen Diabaskuppen geprägt ist, wurde die östliche Scholle später um fast 100m angehoben und wieder abgetragen, so dass letztlich Tonschiefer als Untergrundgestein zu liegen kam. Der unterschiedliche geologische Untergrund hat Auswirkungen auf die Flora. Während es über Diabas eine üppige Pflanzenvielfalt gibt, erschwert die sehr saure Verwitterungsschicht über dem Tonschiefer vielen Pflanzen die Existenz. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Verhältnisse bei den Pilzen genau umgekehrt sind. Die Teilnehmer konnten auf dem östlichen Gebiet mit Tonschieferuntergrund die Sammelkörbe mit vielen Pilzen, auch Speisepilzen – wie Steinpilze, Birkenpilze, Maronen-Röhrlinge, verschiedene Täublinge, Fichtenreizkern u. a. m. - füllen, wogegen über Diabas die terrestrischen Arten deutlich spärlicher anzutreffen waren. Beim Gräfenstein, einer Anhöhe aus Diabas, konnte der im Vogtland relativ seltene Kamm-Erdstern (Geastrum pectinatum) gefunden werden.

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Im Herlasgrüner Forst an der Schwarzen Brücke: Eine Pilzbestimmung wird diskutiert

Am Nachmittag wurden im großen Tagungsraum des NUZ nahezu 200 Pilzarten bestimmt und auszugsweise den Tagungsteilnehmern vorgestellt. Die Speisepilzsammler mussten ihre „Beute“ der Allgemeinheit opfern. Die gefundenen Pilze wurden geputzt, eingeschnitten und zu einem großen Topf der traditionellen süßsauren, mit braunem Mehl abgebundenen „Vogtländischen Schwammespalken“ verarbeitet!

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Sonja erhält den ersten Teller vogtländischer "Schwammespalken"

Nach dem gemeinsamen abendlichen Pilzgenuss war das nächtliche Lagerfeuer bei sternenklarem Himmel, Vollmond und viel Gesang der sicherlich allen unvergessen bleibende Ausklang eines arbeitsreichen Tages.

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Am Lagerfeuer 

 

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Vor dem Stockwurstgrillen

Der Sonntagvormittag war den Vorträgen vorbehalten: W. Dietrich (Annaberg) stellte „Pilzbewohnende Käfer“ vor, Dr. Erika Ruske (Jena) erläuterte Methoden der „Makrofotografie von Pilzmerkmalen“, G. Thumser (Zeulenroda) berichtete über „Erfahrungen bei der Zucht holzbewohnender Pilze im eigenen Garten“, L. Roth (Adorf) zeigte den „Südlichsten Hexenring Sachsens“, B. Gerischer (Oelsnitz) sprach zu „Phytoparasitären Kleinpilzen im Vogtland“ und Dr. Heinrich Dörfelt (Dederstedt) über „Erdsterne, die Sahne der Mykologie“.

 

Der Verein freut sich, dass weitere Pilzfreunde ihren Aufnahmeantrag abgegeben haben und nun auch Pilzkenner aus dem bayerischen und dem thüringischen Teil des Vogtlandes an der weiteren Bearbeitung der Pilzflora des Naturraumes Vogtlandes mitarbeiten werden! Das NUZ des Vogtlandkreises ist in der Zeit vom 26.09. bis 29.09.2013 bereits wieder für die Vogtlandtagung reserviert. Gäste sind immer herzlich willkommen!

von Lothar Roth

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