Unsere Pilztage 2019

Die Trockenheit in vielen Gebieten des Vogtlandes beschränkte die Auswahl der Exkursionsgebiete auf Gegenden, in denen in letzter Zeit ergiebigere Schauer niedergingen. Unabhängig davon war das Altmannsgrüner Moor verlässlich feucht und weil nicht weit entfernt, das Ziel am späten Donnerstag Nachmittag. 46 Pilzarten, einschließlich der pflanzenparasitischen Kleinpilze wurden hier nachgewiesen.

Am Freitag entschlossen wir uns für das etwas feuchtere Obere Vogtland – die Eisenleite südwestlich von Saalig. Mischwald, dominiert von Fichte – erbrachte 86 Groß- und 15 Kleinpilzarten. In diesen beiden Exkursionsgebieten konnte zur Freude der Pilzfreunde mehrfach der Stäubende Zwitterling

nachgewiesen werden, kleine weißliche Pilzchen, die auf alten Fruchtkörpern von Täublingen oder Milchlingen parasitieren.

Den in der Nähe gelegenen Fronberg bei Schreiersgrün durchsuchten wir am Sonnabend diesmal von westlicher Seite und konnten 127 Arten nachweisen. 

Einige Pilzfreunde besuchten den Greizer Park und freuten sich über den Fund des Aprikosenfarbigen Filzröhrlings, der als wärmeliebender Pilz in den Mittelmeerländern häufig, in Deutschland aber selten ist. Immer erfreulich ist der Fund eines Erdsterns – wie die Halskrausen Erdsterne im Park.Wie immer, wurden die Pilzfunde erfasst und werden ans sächsische Mykis-Programm weiter gegeben.

Am Sonntag bot unser Mitglied Dr. Heinrich Dörfelt einen sehr gut gegliederten Vortrag über „Lebensstrategien der Pilze“.

Ausgehend von ersten Zellen in der Erdaltzeit stellte er den zellulären Unterschied zwischen bakteriellen, pflanzlichen, tierischen und pilzlichen Zellen dar. Die heterotrophe Ernährungsweise der Pilze bestimmt ihre Strategie zu organischen Stoffen zu gelangen: Als besondere Form haben Pilze die Mykorrhiza entwickelt, wobei Myzelien in äußere oder innere Gewebe der Wurzel von Pflanzen eindringen, sich mit organischen Stoffen versorgen, so aber auch 90% unserer Waldbäume durch die große Myzelfläche Vorteile für Aufnahme der Mineralien und des Wassers aus dem Boden haben. Auch die Symbiose zwischen Pilz und Alge - die Flechten, die von Schwenderer, S. erkannt underst 1898 veröffentlicht wurde, ist eine erstaunliche Lebensstrategie der Pilze. Eine große Zahl von Pilzen nutzen die Verwertung organischer Reste von Tieren und Pflanzen in saprotropher Lebensweise, oder greifen lebende Organismen an, wie Pflanzen, z. B. die Brand- , Rost-, Mehltaupilze, oder Tiere, Pilze auf Rundwürmern, Insekten oder auch dem Mensch – in parasitischer Lebensweise.

Die Strategien der Verbreitung der Pilze und ihrer Sporen konnte aus Zeitmangel dann nur angeschnitten werden.

Unser Vereinsmitglied Frank Fischer stellte einige seiner Funde in Bildern vor, ohne sie in eine Systematik zu pressen. So wechselten Bilder z. B. mit dem Ohrlöffel Stacheling,dem Grünem Knollenblätterpilz, Leuchtenden Prachtbecherling, Seggen Muschelfüßchen, Salomonsiegel Strombecherling einander ab. Besondere Beachtung schenkt er bei Exkursionen dem schwierigen Bestimmen von Rindenpilzen.

Die Abende unserer Tagung gehörten dem geselligen Zusammensein, an deren Vorbereitung immer mehr Mitglieder sich aktiv beteiligen, ebenso wie bei der Vorbereitung der Mahlzeiten und das unerlässliche Aufräumen. Eine völlig neue Erfahrung für alle war, dass von einem einzigen gegarten Schweineschenkel 20 Leute zwei Tage reichlich essen können, und zusammen mit Sauerkraut war dies geschmacklich ein außerordentlicher kulinarischer Genuss.

Mit den Jahren ist aus unserem Verein eine Gemeinschaft geworden, die nicht nur über Pilze redet, sondern auch durch persönliche Gespräche Anteil an Problemen anderer nimmt.

von Brigitte Gerischer

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