Herbsttagung 2018

Nach dem extrem trockenen Sommer 2018 waren die Erwartungen, bei unserer Jahrestagung vom 20. bis 23.09.18 viele Arten zu finden, auf dem untersten Niveau. Deshalb entschieden wir erst täglich im Natur- und Umweltzentrum des Vogtlandkreises (NUZ) in Unterlauterbach, wohin die nächste Exkursion uns führt.

Nach dem Einrichten der Arbeitsplätze findet traditionsgemäß Donnerstagnachmittag eine Exkursion in der Umgebung statt. Gleich bei Altmannsgrün ist ein Torfmoor ausgebildet, von dem zu erwarten war, dass auch bei Trockenheit noch genügend Untergrundwasser vorhanden ist. Das Moor war stellenweise so tief, dass auch Gummistiefel nicht genügend schützen konnten.

Jean haben die Stiefel nichts genützt

Birken, Traubenkirsche, Fichte, Kiefer, Schwarzerle, Eberesche, Bergahorn und Sträucher wie Faulbaum, Roter Holunder, Schneeball, Heckenkirsche bildeten die Baum- und Strauchschicht. Tatsächlich gab es viele essbare Pilze: Hallimasch, Hexenröhrlinge, Stein- und Birkenpilze, von denen aber viele zu dem Zweck schon zu alt waren. Doch einige konnte zum Abendbrot verzehrt werden. Erwähnenswert ist evtl. der Fund von vielen Fruchtkörpern des Blaugrünen Reif-Täubling (Russula parazurea).

Aus dem vogtländischen Oberland waren in den letzten Tagen vermehrt Pilzfunde gemeldet worden. Deshalb entschlossen wir uns für Exkursionen in dieses Gebiet. Am Freitag wurde am Naturbad Breitenfeld gestartet. Im Nadelmischwald bis zum Treffpunkt am Schwarzen Teich am Hirschberg (674m/NN) konnten schon etliche Körbe gefüllt werden, ebenso auf dem Rückweg. Das Waldesinnere mit dichtem Baumbestand war allerdings immer noch zu trocken, doch an Rändern oder lichten Stellen schien es, als ob die Myzelien nur auf etwas Regen gelauert hätten, um mit den Fruchtkörpern für die Fortpflanzung der Art zu sorgen. Nach den Bestimmungsarbeiten am Nachmittag lagen auf dem Ausstellungstisch im NUZ die sicher bestimmten Pilzarten aus. Erfreulich waren die Funde des Marzipan Fälblings (Hebeloma radicosum), oder des Schafeuterporlings (Albatrellus ovinus). Insgesamt konnten 59 Großpilze und 23 phytoparasitäre Kleinpilze an 21 Wirtspflanzen sicher bestimmt werden.

Am Samstag entschlossen wir uns, noch einmal (wie 2014) das Waldgebiet zwischen Arnoldsgrün und Mühlental aufzusuchen. Auch hier war in Senken mit Feuchtigkeit zu rechnen. Während 2014 die stolze Zahl von 185 Arten registriert wurde, freuten sich alle über 12 Phytoparasiten und immerhin 64 verschiedene Großpilzarten.

Unsere Funde fließen wieder ins sächsische Mykisprogramm für den geplanten Pilzatlas von Sachsen ein.

Beim traditionellen Lagerfeuer am Samstagabend war der fast volle Mond trotz kalendarischer Zusage nicht anwesend, doch für alle anderen geplanten Vorhaben waren die Materialien vorhanden – Holz, Feuerkorb, Grill, Holzkohle, Folienkartoffeln, Würstchen, Leberkäse, Brot, Brötchen sowie viele kulinarische Kostproben und diverse Getränke, von den Teilnehmern, bzw. einem verhinderten Freund unseres Vereins gespendet. (Götz)

Am Sonntagvormittag standen zwei Vorträge auf dem Programm:

Unser Vereinsmitglied Dr. Heinrich Dörfelt würdigte in seinem Vortrag das Lebenswerk von Jacob Christian Schaeffer (1718 – 1790), deutscher Theologe und Universalgelehrter, der sich besonders den Pilzen zuwandte. Er lebte zeitgleich mit Linné, dessen Erkenntnisse über die Fortpflanzung der Pflanzen auch auf Pilze übertragen wurden. Gegen dessen Autorität war zur damaligen Zeit schwer anzukommen. Umso wertvoller sind die außerordentlich exakten Beobachtungen der Merkmale der Pilze unter Einbeziehung mikroskopisch kleiner Strukturen, wie Sporen. Von 1762 bis 1774 erschien sein vierbändiges, mykologisches Hauptwerk mit 286 Makromyceten auf 330 colorierten Kupferstichen. Die exakten Beschreibungen erfolgten in lateinischer und deutscher Sprache. Das Werk hatte wesentlichen Einfluss auf die mykologische Forschung, u.a. der bedeutenden Mykologen wie Batsch und Persoon.

Universalgelehrte, wie es sie im 18. Jh. noch gab, kann es heute durch kreative Forschungsarbeit der Gelehrten auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaften nicht mehr geben. Die Erkenntnisse haben sich – auch auf dem Gebiet der Mykologie – explosionsartig vervielfacht.

Doch immer noch gibt es kluge Köpfe, die sich auf vielen Gebieten auskennen.

Wir freuen uns immer sehr, wenn an unseren Tagungen Wolfgang Dietrich, Kreisnaturschutzbeauftragter für den Altkreis Annaberg, Erzgebirge, teilnimmt.

Da in unserem Verein viele neue, junge, interessierte Mitglieder mitarbeiten, sind diese sehr dankbar, wenn er bei der Bestimmungsarbeit in seiner bescheidenen Art helfen kann. Man erhält von ihm Antworten zu Groß- und Kleinpilzen, Pflanzenarten, Schmetterlingen, vielen Käferfamilien, anderen Insekten und auch Vögeln. Kostproben seines umfangreichen Wissens vermittelte er auch dieses Jahr in einem Vortrag zu Bergbaufolgelandschaften im Naturpark Erzgebirge/Vogtland

Das Erzgebirge verdankt seinen Namen den Bodenschätzen, die bereits in der ersten Hälfte des 15. Jh. abgebaut wurden, und nach dem II. Weltkrieg besonders Uranerz durch die Wismut. Sie alle hinterließen Halden in der Landschaft, denen man ihren Ursprung heute kaum noch ansieht.

W. Dietrich hat die Halden des Altbergbaus denen aus der Wismutzeit gegenübergestellt. Ausgehend von den unterschiedlichen abiotischen Faktoren, die die Vegetation bestimmen, stellte er Pflanzenarten vor, die charakteristisch für bestimmte Halden sind, z. B. der schöne Hain Wachtelweizen mit lila Hochblättern und gelben Blüten. Für uns waren die Pilze besonders interessant. Natürlich konnte er nicht alle 249 Pilzarten vorstellen, die er registriert hatte. Doch einige seltene Arten wurden gezeigt, wie Muschelförmiger Feuerschwamm, Milder Zapfenrübling, Ohrlöffelstacheling  u.v.m.

Als Resümee unserer Tagung kann festgestellt werden:

Auch ohne die sonstige große Artenzahl an Pilzen, war die gemeinsame Arbeit ein Gewinn für alle Beteiligten, zum einen betraf das den Wissenszuwachs, Methoden der Bestimmungsarbeit auch mit den vereinseigenen Mikroskopen, die gemeinsame Sorge um die Exkursionsgebiete, die kulinarische Versorgung aller Teilnehmer und die Beiträge beim geselligen Beisammensein.

Die Voraussetzungen dafür sind im NUZ ideal, da wir die gesamte Zeit über schalten und walten können, wie es für uns am günstigsten ist.

Von unserem Verein haben 21 Mitglieder teilgenommen, außerdem zwei Gäste.

 

von Brigitte Gerischer

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