Herbstliche Pilztage der VAM e.V. 2015 – 10.09. bis 13.09. in Kopanina / Frauenreuth cz

Ausgehend von unserem Verständnis, das Vogtland als Naturraum zu sehen, zu dem außer sächsische auch thüringsche, bayerische und tschechische Gebiete gehören, war der diesjährige Tagungsort nicht abwegig. Die Teilnehmer trafen sich ab Donnerstag, dem 10.09.2015, südlich von Luby im tschechischen Kopanina (Frauenreuth), einer kleinen Gemeinde von nur 72 Einwohnern, aber mit einem exklusiven Hotel, das aus einem alten Gutshof entstanden ist. Dort waren die Teilnehmer untergebracht, und es stand ein Tagungsraum zur Verfügung .
Die Tagung gliederte sich wie gewohnt in Exkursionen, Auswertung der Funde und Vorträge.
Geologisch bedingt, waren die Exkursionsziele außerordentlich interessant. Geprägt von junger seismologischer Aktivität begegneten den Teilnehmern täglich Zeugnisse der bewegten Erdgeschichte. Dazu gehörten der Säuerling zwischen Skalna und Schönberg, der jüngste Vulkan des Böhmischen Massivs – der Kammerbühl, das Sooser Moor mit seinem blubbernden Mofetten und Franzensbad, bekannt durch die heilkräftigen Mineralquellen.
Bei herrlichem Spätsommerwetter während der vier Tage überraschte die Nachmittagsexkursion durch den Mischwald in der Nähe von Kopanina bereits mit beachtlichen Pilzfunden.
Die Exkursion am Freitag begann bei Skalná, am Fuße des Elstergebirges – es wurden Pilze auf Wiesen und im Kiefer dominierten Mischwald gefunden.
Dagegen war der sehr trockene Wald auf dem Kammerbühl (Komorni hůrka) mykologisch wenig, dafür aber geschichtlich und geologisch beachtenswert. Ein in Stein gemeißeltes Denkmal und Informationstafeln wiesen auf das vielseitige Interesse unseres großen , deutschen Dichters, Johann Wolfgang von Goethe, hin.

Beim Besuch des Naturreservates Soos am 12.09. konnten die Teilnehmer, die phytoparasitische Pilze sammelten, durch das Vorkommen von Salzpflanzen, die hier durch Kieselgur anderen Arten überlegen waren, einige besondere Wirte erwarten. Roste auf Sonchus arvensis (Gänsedistel), Rumex aquaticus (Wasser Ampfer), Persica lapathifolia (Ampfer Knöterich)- zwar nicht ausgesprochene
Salzpflanzen – können erwähnt werden. Für das Auffinden von Kleinpilzen wird allerdings mehr Zeit benötigt, die bei solchen Exkursionen fehlt. Dagegen wurden im angrenzenden Moor-Birken-Mischwald viele Großpilze erfasst.
Sehr verschiedene Laubhölzer, große Baumstümpfe und ein kurz gehaltener Rasen sorgten im großen Kurpark von Franzensbad für das Auffinden einer beachtlichen Vielfalt von Pilzen, besonders an Täubligen.
Im Tagungsraum von Kopanina wurden die gesammelten Pilzarten bestimmt und in Listen erfasst. Sie werden ans Kartierungsprogramm Sachsens „Mykis“ als Funde aus benachbarten Gebieten weitergegeben. Die Herbsttagungen sind neben der feldmykologischen Sammel- und Bestimmungsarbeit auch immer Zeiten der wissenschaftlichen Weiterbildung. Herr Dr. PETER ROJIK, ein tschechischer Geologe, gab in seinem Vortrag „Unruhige Erde unter unseren Pilzen“ fachkundig und in sehr netter und bescheidener Art einen tiefgründigen Einblick in die Exkursionsgebiete, die um das Erdbebenzentrum von Novy Kostel liegen und wo immer noch Zeugnisse der noch nicht weit zurückliegenden vulkanischen Aktivität zu spüren sind.
SANDRA HEYMANN, Mitglied der VAM, bereitet sich auf ihre Prüfung als Pilzberaterin vor und informierte in einem sehr anschaulichen und spannenden Vortrag über Pilzgifte und Giftpilze und die dadurch hervorgerufenen Pilzvergiftungen.
Unser Gast und einer der zuverlässigsten Bestimmer der Pilzfunde, THOMAS RÖDEL, gab einen Einblick in die Mykologie ferner Regionen. Weit weg vom Vogtland, im Indischen Ozean, liegt die Vulkaninsel La Reunion. Die dort gesammelten Eindrücke mit Vorstellen besonderer Pilze und deren Bekanntwerden im Laufe der Geschichte trug er den Zuhörern überzeugend vor. Dr. HEINRICH DÖRFELT kam über Myxomyceten, die eigentlich den Tieren als Myxamöben, bzw. Myxoflagellaten zugeordnet werden müssten, zu weiteren tiefgreifenden philosophischen Betrachtungsweisen von Pilzen und Lebewesen an sich. Die Lebensstrategien der Schleimpilze, Ernährungsweise, Fruktifikation und Lebensräume bilden einen Grenzbereich der Individualität. Durch Forschungen zur Zytologie, beginnend mit der identischen Replikation von Lebensstrukturen - wie RNA - unter den Bedingungen des Urozeans werden völlig neue Fragen aufgeworfen, z. B. ob überhaupt noch von Individuen gesprochen werden kann.
Das tradtionelle Lagerfeuer konnte auf dem Hof der zum Hotel gehörenden, 2km entfernt liegenden „Golden River Ranch Mlýnek“ durchgeführt werden. Die sowohl romantische als auch rustikale Kulisse wurde in stockdunkler Neumondnacht nur vom Feuer beleuchtet. Außer dass von ihm dicke tschechische Bratwürste an den Zinken einer Mistgabel gegrillt wurden, schmorten unter der Glut in Alufolie eingewickelte und von einem Kaolinmantel umhüllte Brathähnchen, die nach gehöriger Dauer aus ihrer zu Porzellan gebrannten Hülle befreit und ohne Gebrauch der in der Kinderstube anerzogenen Tischsitten „aufgefressen“ wurden.
Zu den 29 Teinehmern der Tagung gehörten neben VAM-Mitgliedern auch noch 10 Gäste, sowie zwei Kinder.

von Brigitte Gerischer

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