Die mykologische Arbeit im Vogtland, die wir seit 1965 intensiv betreiben, setzen wir in unserem 2012 gegründeten Verein mit fast 40 interessierten und auch schon sehr engagierten Vogtländern fort.

Die Jahrestagungen finden immer in der pilzträchtigsten Zeit statt und enthalten folglich die Tücke der zeitlichen Überschneidung, die sich auch bei der 33. Vogtland-Tagung vom 26. – 29. 09.2013 bemerkbar machte, wodurch einige aktive Mitglieder, bzw. Gäste fehlten, die an den Tagungen der Sächsischen, bzw. Westsächsischen Mykologen teilnehmen mussten.

Doch wir wollten die hervorragenden Bedingungen, die uns das Natur- und Umweltzentrum Oberlauterbach bietet, nutzen und mussten diesen Termin wahrnehmen.

Unsere Tagung unterteilte sich in Exkursionen, Auswertung der Funde und Vorträge. Die Exkursion am Freitag führte von Grünbach aus ins Tal der Weißen Göltzsch in die Gegend um die Rissfälle, die im 16. Jh. bei der Anlegung des Floßgrabens, der die Verbindung zum Oberlauf der Mulde ermöglichte, in den harten Grauwackenquarzit gesprengt wurden. Der damalige herzynische Bergmischwald über Phyllit ist inzwischen durch Fichten ersetzt worden. Die Bedenken, in dieser Monokultur wenige Arten vorzufinden, erwiesen sich als unnötig. Bei der Auswertung am Nachmittag ergab die Ausbeute über 120Arten. Essbare Arten wurden in größerer Individuenzahl gesammelt und ergaben einen voluminösen Topf vogtländische „Schwammebrieh“ (Pilzbrühe), die mit Klößen und Kartoffelpuffern verzehrt wurde.

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Dieses Gebiet, das an der Grenze zwischen östlichem und westerzgebirgischem Vogtland liegt, bildete einen deutlichen Kontrast zur Exkursion am Samstag, an der auch Mitglieder des NABU Oelsnitzteilnahmen. Das Kemnitzbachtal südlich von Geilsdorf zwischen der Neumühle und Schafbrücke gehört zum Mittelvogtländischen Diabaskuppenland, dessen Gestein einen absorptionsfähigen, warmen und nährstoffreichen Boden liefert. Obwohl der Eichelberg auch mit Fichten aufgeforstet ist, wurden dort nicht dieselben und bedeutend weniger Arten als im kühlen feuchten Wald des Vortages gefunden. Es bestätigte die Beobachtung vieler vogtländischer Mykologen, dass Pilze auf saurem, feuchtem Boden besser zur Fruktifikations kommen.

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Exkursionspause an der Schafbrücke

Den Abschluss dieser beiden Tage bildete am Samstag das traditionelle Lagerfeuer mit   Würstchengrillen und Singen, das durch J.H. Weck mit Gitarre begleitet wurde, bevor am Sonntag im großen Saal des NUZ, der auch als Arbeits- und Ausstellungsraum diente, die Vorträge mit mykologisch wissenswerten Informationen erfolgten. Drei Beiträge bestritten Mitglieder unseres Vereins: Katharina Ungethüm, die in Jena arbeitet, erläuterte in logischer Systematik das symbiotische Zusammenleben von Algen und Pilzen in Flechten, sowie deren ökologische Bedeutung. Rainer Nitsche aus Naila informierte über ein Seminar für Pilzberater zum Thema Pilzvergiftungen und Dr. Heinrich Dörfelt (Dederstedt) sprach über Röhrlinge und rief zu einem gemeinsamen Vorhaben auf, die 1966 begonnene Auflistung von Arten dieser Pilzgruppe im Vogtland fortzuführen.

Wolfgang Dietrich, (Annaberg) Kreisnaturschutzbeauftragten des Erzgebirges, der als Pilzberater nicht nur Großpilze kennt, sondern auch viele Tiere, bes. Insekten, Pflanzen und auch Kleinpilze, nahm an unserer Tagung teil und sprach über die GattungenExobasidium und Taphrina, parasitische Kleinpilze, die häufig starke Verformungen an Pflanzen auslösen, z. B. die „Narrentaschen“ an Pflaumen, Schlehen oder Kirschen.

Bernd Zinke aus Plauen stellte Pilze vor, die in der Homöopathie bei verschiedenen Krankheiten Anwendung finden, z. B. den Birkenporling, der sogar im Gepäck von„Ötzi“ entdeckt wurde.

von Brigitte Gerischer

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